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Wie finde ich den richtigen Arzt bei Migräne?
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Wie finde ich den richtigen Arzt bei Migräne?

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Jeder, der unter Migräne leidet, kann ein Lied davon singen: Die Suche nach einem Arzt kann sehr langwierig und mühsam sein. Besonders dann, wenn man noch gar nicht weiß, dass man an Migräne leidet, tappt man mit den eigenen Schmerzen oft im Dunkeln. Aber warum ist das so? Und wie finde ich den richtigen Arzt bei Migräne?

Der Weg durchs Ärztelabyrinth

Die erste Anlaufstelle bei Beschwerden aller Art ist natürlich immer zuerst der Hausarzt oder Allgemeinmediziner. Wenn du nur gelegentlich Kopfschmerzen hast, die man gut mit Schmerzmitteln behandeln kann, kann dir der Hausarzt oft schon helfen. Aber mal ehrlich, dann würdest du wahrscheinlich gar nicht erst zum Arzt gehen, oder? Gerade, wenn du schon länger mit Kopfschmerzen zu kämpfen hast, solltest du dich an einen Facharzt überweisen lassen.

Das klingt jetzt recht einfach. Tatsächlich ist es bis zur Diagnose „Migräne“ jedoch oft ein weiter Weg. In vielen Fällen wird die Krankheit nicht erkannt oder schlicht und einfach unterschätzt. Du wirst von einem Facharzt zum nächsten geschickt, darunter zum Kieferorthopäden, Augenarzt, HNO und Orthopäden. Es ist natürlich sinnvoll, auch andere Ursachen zu untersuchen bzw. auszuschließen, denn viele Kopfschmerzarten stehen oft im Zusammenhang mit anderen Beschwerden wie z. B. Zahnschmerzen, Rückenproblemen oder einer falsch angepassten Brille.

Migräne ist eine neurologische Erkrankung

Migräne ist jedoch eine neurologische Erkrankung, sprich eine Krankheit, die im Gehirn stattfindet, und da ist ganz klar der Neurologe gefragt. Im Fall von Kopfschmerzen und Migräne macht es sogar Sinn, gezielt zu einem Neurologen zu gehen, der eine Zusatzausbildung für spezielle Schmerztherapie hat. Auf Expertenseiten wie die der Schmerzklinik Kiel oder auch der DMKG (Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.) findest du ein großes Netzwerk an Spezialisten, damit du kompetente Hilfe direkt vor Ort erhälst.

Meiner Erfahrung nach ist es jedoch oft sinnvoller, einen etwas weiteren Anfahrtsweg auf sich zu nehmen, wenn man dadurch die Chance hat, an einen Fachmann zu geraten. Zu oft habe ich schon erlebt, dass nicht jeder Neurologe sensibilisiert ist für die Bedürfnisse von Migräne-Patienten und auch das Behandlungsspektrum nicht gut genug kennt, um die für dich geeignete Therapie anbieten zu können.

Oft fehlt es an Wissen

Aber warum ist das mit der Ärztesuche überhaupt so schwierig? Ein Hauptproblem liegt sicher darin begründet, dass viele Ärzte schlicht und einfach nicht auf dem aktuellsten Stand der Migräne-Forschung sind. Das betrifft sowohl die medikamentöse Akutbehandlung (also Medikamente, die bei einer Migräne-Attacke helfen) als auch die Migräneprophylaxe (die vorbeugende Behandlung mit und ohne Medikamente).

Das liegt auch an der Komplexität der Krankheit: Migräne ist nicht gleich Migräne, und Kopfschmerz nicht gleich Kopfschmerz. Es gibt sehr viele unterschiedliche Ausprägungen der Krankheit, die sich auf jeden Menschen anders auswirken. Letztendlich musst du deinen ganz eigenen Weg im Umgang damit finden.

Du musst also immer davon ausgehen, dass nicht jeder Arzt auf dem gleichen Wissenstand ist. Weder, was die aktuelle Forschungslage angeht, noch – und das ist jetzt sehr wichtig – auf deinem individuellen Wissenstand. Schließlich kennst du deinen Körper am besten, ihr verbringt ja doch recht viel Zeit miteinander.

Vertrauen ist wichtig

Vielleicht hast du auch schon einige Methoden ausprobiert, darunter auch welche, die deinem behandelnden Arzt nicht so geläufig sind. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch ganz klar Aufgabe des Arztes, dir unterschiedliche Therapien vorzuschlagen, damit ihr gemeinsam abwägen könnt, welche Behandlung für dich passen könnte.

Ein gelungener Arzttermin sollte also immer ein respektvoller Austausch sein, der Vertrauen schafft. Leider lässt sich nicht jeder Arzt darauf ein, diesen oft langwierigen Weg gemeinsam und auf Augenhöhe mit dir zu bestreiten. Es ist aber für den Heilungsprozess unerlässlich, dass du das Gefühl hast, bei deinem behandelnden Arzt gut aufgehoben zu sein. Wenn das nicht so ist, dann gibt es nur einen richtigen Ratschlag: Wechsle den Arzt!

Das Zauberwort heißt Eigeninitiative

Daher solltest du dich auch von Anfang an von dem Irrglauben verabschieden, dass du nur den einen richtigen Arzt oder das eine richtige Medikament finden musst, damit du „geheilt“ wirst. Ich sage das keinesfalls, um dich zu entmutigen, im Gegenteil. Es ist mir wichtig, realistische Vorstellungen im Umgang mit der Krankheit zu vermitteln. Zu diesen gehört auch die Erkenntnis, dass die Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne oft ein jahrelanger Prozess ist, der alles andere als einfach ist.

Dabei ist es unabdingbar, dass du Erfahrungen und Wissen sammelst, Methoden und Behandlungen ausprobierst und dich dabei von deinem Bauchgefühl leiten lässt. Deshalb ist auch bereits vor deinem Arzttermin bereits deine Eigeninitiative gefragt! Mehr dazu findest du auch in meinem Beitrag „Entdecke den Arzt in dir“.

Vorbereitung auf das Arztgespräch

Oft wartet man sehr lange, bis man überhaupt einen Termin beim Spezialisten bekommt. Nutze diese Zeit unbedingt, um dich auf das Arztgespräch vorzubereiten. Was du dabei beachten solltest, erkläre ich dir im Folgenden:

Führe einen Kopfschmerzkalender

Wenn du häufiger Kopfschmerzen hast, dann ist der allererste Schritt, diese zu beobachten und zu dokumentieren, und zwar mindestens für den Zeitraum von 1 Monat. Deine erste Aufgabe ist also das Führen eines Kopfschmerzkalenders. Fange damit noch heute an und nehme den ausgefüllten Kalender auch gleich zu deinem ersten Arztgespräch mit!

Der Arzt kann eine korrekte Diagnose nur dann stellen, wenn du ihm und auch dir selbst dabei hilfst, deine Schmerzen und Beschwerden genau zu verstehen und einzuordnen. Wie das mit dem Kopfschmerzkalender genau funktioniert, erkläre ich dir hier.
Im Internet findest du dazu fertige Vorlagen (z. B. von der DMKG), die du dir herunterladen und ausdrucken kannst. Alternativ kannst du auch meinen kostenlosen Kaktus-Kopfschmerzkalender nutzen:

Informiere dich

Du wirst sehen, dass es dir besonders im Gespräch mit Ärzten helfen wird, wenn du dir selbst einen Überblick über Fakten, Methoden und Möglichkeiten zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne verschaffst! Medikamentöse Migräneprophylaxe, Triptane, Medikamentenübergebrauchskopfschmerz, Chronifizierung, Akutmedikation, Antiepileptika, episodische Migräne, Spannungskopfschmerzen, PMR …

Es gibt nichts schlimmeres, als während des Arzttermins von Begriffen und Behandlungsmethoden erschlagen zu werden und sich dann aus Hilflosigkeit für die erstbeste Behandlung, die der Arzt vorschlägt, zu entscheiden. Du kannst besser abwägen, was das Richtige für dich ist, wenn du deine Optionen kennst.

Sammle wichtige Unterlagen

Damit dein behandelnder Arzt sich ein umfassendes Bild von dir machen kann, ist es natürlich essentiell, dass du ihm alle relevanten Fakten zur Verfügung stellst. Dazu gehören beispielsweise bereits vorliegende Diagnosen und Befunde. Solltest du hierzu nichts Schriftliches haben, fordere einen Ärztebrief von dem entsprechenden Arzt an. Denke auch an eine Kopie für deine eigenen Unterlagen! Daneben hast du vielleicht wichtige Laborwerte, die auf weitere Erkrankungen wie z. B. Schilddrüsen- oder Leberprobleme verweisen, Röntgenbilder oder ein MRT, Klinikaufenthalte usw.

Sei auf grundlegende Fragen Vorbereitet

Außerdem solltest du auf einige grundlegende Fragen vorbereitet sein, die dir der Arzt auf jeden Fall stellen wird. Du kommst bereits bei deinem ersten Termin viel schneller ans Ziel, wenn du Antworten auf folgende Fragen parat hast (wobei dir auch dein Kopfschmerzkalender hilft!):

  • Welche Medikamente nimmst du regelmäßig ein (z. B. Antibabypille, Schilddrüsenmedikamente, Blutdruckmedikamente)?
  • Welche Medikamente nimmst du akut bei Schmerzen ein (z. B. Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprophen und Aspirin) sowie die exakte Dosis (400 mg, 600 mg etc.)?
  • Wie viele Schmerzmittel nimmst du monatlich ein?
  • Treten die Schmerzen zu besonderen Zeiten auf (z. B. während der Menstruation, bei Wetterumschwüngen, nach dem Aufstehen)?
  • Wie häufig treten die Schmerzen im Monat auf ?
  • Welche Therapien hast du bereits im Zusammenhang mit deinen Schmerzen ausprobiert?

Der Schmerzfragebogen

Der Arzt wird diese Fragen in den meisten Fällen direkt mit dir durchgehen. Zudem wird er dich im Rahmen der Erstvorstellung darum bitten, einen sog. Schmerzfragebogen auszufüllen, in dem du deine Schmerzen genauer beschreibst. Dabei handelt es sich um ein Standardformular, das im Rahmen der Schmerztherapie für die Schmerzanalyse zum Einsatz kommt. Wie das in etwa aussieht, kannst du hier sehen.

Der Schmerzfragebogen ist recht umfangreich, weshalb es hilfreich ist, sich bereits im Vorfeld Gedanken über die eigenen Schmerzen und das allgemeine Befinden zu machen, das hier ebenfalls abgefragt wird. Deshalb ist beim Thema Schmerzen auch so wichtig, dass man überhaupt erst einmal ein Gefühl für sich, seinen Körper und die Schmerzen bekommt, denn nur so kann man sie auch anderen besser verständlich machen und beschreiben.

Mache dir Notizen

Wer kennt das nicht: Du hast dir im Vorfeld viele Gedanken gemacht und hast unglaubliche viele Fragen, aber im Gespräch fällt dir am Ende nicht einmal die Hälfte von ihnen ein. Dafür gibt es eine recht einfache Lösung: Mache dir Notizen und schreibe dir alles auf, was du deinen Arzt fragen möchtest. Nimm deine Notizen mit ins Gespräch und gehe sie wie eine Art Checkliste mit deinem Arzt durch, damit keine Fragen offen bleiben.

Beim Arzt

Deine Checkliste für den Arzttermin

Damit du nichts vergisst, liste ich hier nochmal alles auf, was du beim ersten Arzttermin dabei haben solltest:

  • Krankenversicherungskarte und ggf. Überweisungsschein
  • Liste deiner behandelnden Ärzte (z. B. Hausarzt)
  • Medikamentenliste
  • Vorbefunde und ggf. entsprechende Unterlagen
  • dein Kopfschmerzkalender
  • deine eigenen Notizen

Höre auf dein Bauchgefühl!

Wie bei so vielem zählt auch beim Arzt oft der erste Eindruck. Es ist unabdingbar, dass du bei allem, was du ausprobierst, immer auf dein Bauchgefühl hörst. Dein Körper gibt dir oft ganz deutliche Signale, ob er ein Medikament verträgt oder ob ihm eine Behandlungsmethode guttut – oder eben auch nicht. Selbst, wenn Studien die Wirksamkeit eines bestimmten Medikaments oder einer Therapie erfolgreich belegen, wenn es bei dir nicht funktioniert oder die Nebenwirkungen zu stark sind, hilft das auch nichts.

Migräne ist sehr komplex und jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Behandlung ihm letztendlich hilft. Wenn du also das Gefühl hast, dass eine Therapie oder ein Medikament nicht das richtige für dich ist, dann sprich deine Bedenken auch ganz klar aus und versuche, gemeinsam mit deinem Arzt Alternativen zu finden.

Fazit: Die Chemie muss stimmen

Sagen wir es ganz klar, wie es ist: Wenn die Chemie nicht stimmt, dann solltest du den Arzt wechseln. Nichts ist schlimmer als das Gefühl, dass du dich von deinem behandelnden Arzt nicht verstanden fühlst oder seine Therapieansätze nicht gutheißt. Eine erfolgreiche Behandlung setzt immer voraus, dass du selbst davon überzeugt bist – wenn nicht, dann ist es auch nicht das Richtige für dich. Punkt. Also keine falsche Scheu oder Höflichkeit, schließlich geht es um dich und deine Gesundheit!

War dieser Beitrag hilfreich für dich? Welche Erfahrungen hast du mit der Ärztesuche und im Umgang mit Ärzten gemacht? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

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