kaktus-im-kopf.de
Du liest gerade
Wie kann der Heilpraktiker bei Migräne helfen?
8
Behandlung

Wie kann der Heilpraktiker bei Migräne helfen?

Wie kann der Heilpraktiker bei Migräne helfen?

Heute geht es um die Frage, wie alternative Heilmethoden bei Migräne und Kopfschmerzen helfen können. Dafür habe ich mir einen Gast eingeladen, mit dem ich mich schon oft intensiv über das Thema austauschen konnte: Meinen behandelnden Heilpraktiker Florian Helgerth, der mich in den letzten Jahren auf meinem Weg zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden begleitet hat.

Viele von euch haben sicherlich auch schon mal überlegt, sich wegen Migräne und Kopfschmerzen beim Heilpraktiker behandeln zu lassen. Im Interview mit Florian Helgerth erfahrt ihr, was der Besuch beim Heilpraktiker bringen kann – und wo die Grenzen bei der Behandlung liegen. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die auch der Heilpraktiker nicht einfach „wegzaubern” kann. Jedoch gibt es viele Prozesse im Körper, die in engem Zusammenhang mit den Triggern für Migräne stehen. Deshalb lohnt es sich hier, einmal genauer hinzusehen! Hier erfahrt ihr welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was das Ganze am Ende auch mit Eigeninitiative zu tun hat.

Viel Spaß beim Lesen!

Das Interview mit Heilpraktiker Florian Helgerth

Über Heilpraktiker Florian Helgerth

Hallo Florian! Ich freue mich riesig, dass wir heute über ganz viele interessante Themen sprechen werden. Aber bevor wir starten, magst du dich vielleicht kurz vorstellen?

Ja klar! Ich bin seit 2014 staatlich geprüfter Heilpraktiker und habe meine Praxis im Herzen von München. Auf meinem Naturheilkunde-Blog informiere ich meine Patienten regelmäßig über verschiedene Themen aus meinem Behandlungsspektrum. Gerade bei Kopfschmerzen und Migräne findet man hier schon eine ganze Menge Aspekte, die bei der Behandlung eine Rolle spielen könnten.

Heilpraktiker Florian Helgerth
© Florian Helgerth

Den Körper als Ganzes betrachten

Welche Bereiche spielen denn bei Kopfschmerzen und Migräne eine Rolle? 
Das hängt natürlich immer vom individuellen Fall des Patienten ab. Jedoch gibt es einige funktionale Bereiche des Körpers, die häufig aus dem Gleichgewicht geraten und so die Entstehung von Kopfschmerzen und Migräne begünstigen. Deswegen schaue ich bei den folgenden Themen immer etwas genauer hin:

  • ist der Körper grundsätzlich mit ausreichend Nährstoffen versorgt?
  • herrscht im Hormonhaushalt ein Gleichgewicht oder Ungleichgewicht?
  • ist die Darmflora gesund?
  • welchen Einfluss nehmen äußere Faktoren auf den Körper (Stress, eine ungesunde Lebensweise, Schlafmangel, Umwelteinflüsse)
  • und zuletzt: Wie steht es um die mentale Gesundheit? Wenn man dauerhaft Beschwerden hat, kann sich das auch auf die Psyche auswirken und die Einstellung gegenüber dem Heilungsprozess beeinflussen

Ich glaube den letzten Punkt musst du etwas genauer erklären.
Na klar. Wenn du schon lange mit einer Krankheit zu kämpfen hast und alle bisherigen Therapien erfolglos geblieben sind, kann das auch deine grundsätzliche Einstellung zum Heilungsprozess verändern. Deshalb lohnt es sich auch, sich vorab folgende Fragen zu stellen: „Halte ich es denn für möglich, gesund zu werden?“ oder „Will ich überhaupt gesund werden?”. Das klingt vielleicht etwas seltsam. Wenn man aber genauer hinsieht, merkt man, dass sich viele Patienten oftmals schon so an ihre Beschwerden gewöhnt haben, dass sie sich davon gar nicht lösen wollen oder können. Auf diesen Punkt können wir ja später noch einmal genauer ein gehen, denn er ist mindestens genauso wichtig, wie die physische Gesundheit.

Was kann der Heilpraktiker tun?

Das klingt in der Tat extrem spannend. Von dieser Sichtweise her habe ich es bisher noch gar nicht betrachtet. Deinen Patienten geht es da sicherlich nicht anderes. Mit welcher Erwartungshaltung kommen die Patienten denn grundsätzlich zu dir?
Als Heilpraktiker bin ich oftmals die letzte Anlaufstelle nach einer ganzen Reihe von erfolglosen Behandlungen und Therapien. Im Gespräch fallen dann meist Sätze wie: „Sie sind jetzt meine letzte Hoffnung“ oder „Wenn es diesmal nicht klappt, gebe ich endgültig auf“. 

Wow, das ist ja gar kein Druck, oder?
Es verdeutlicht vor allem den Leidensdruck, der auf den Patienten lastet. Die meisten Patienten, die zu mir kommen, haben bereits eine ganze Menge ausprobiert – mit wenig Erfolg. Viele sind von der Schulmedizin auch enttäuscht, weil sie das Gefühl haben, nicht ernstgenommen und verstanden zu werden.

Das ging mir ja tatsächlich ähnlich, als ich damals einen Termin bei dir vereinbart habe … Was kannst du als Heilpraktiker leisten, wo die Schulmedizin womöglich nicht weiter weiß?

Der Patient steht im Mittelpunkt

Als Heilpraktiker nehme ich mir für meine Patienten sehr viel Zeit – allein das ist schon etwas, was heutzutage rar gesät ist. Ich versuche, den Menschen als Ganzes wahrnehmen und zu behandeln. Gerade in der alternativen Medizin spielt die Einheit von Körper und Geist eine wichtige Rolle.

Deswegen führe ich auch immer ein ausführliches Erstgespräch mit meinen Patienten. Die Erstanamnese erfolgt basis- und ressourcenorientiert, d. h. ich stelle die folgenden Fragen: Wo steht der Patient gerade? Gibt es bereits eine schulmedizinische Diagnose oder Vorbefunde? Welche Therapien hat der Patient bereits ausprobiert? Welche eigenen Ressourcen stehen dem Patienten für den Heilungsprozess zur Verfügung?

Auf Basis des Erstgesprächs oder der Befunde (z. B. Laborauswertungen) entwickle ich dann eine individuelle, auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene Therapie. Diese kann je nach Einzelfall ganz unterschiedliche Bereiche abdecken.

Typische Symptome bei Kopfschmerzen und Migräne

Migräne und Kopfschmerzen sind ja auch immer sehr individuell. Sicherlich gibt es aber einige Symptome, die typisch sind, oder?
In der Tat. Migräne- und Kopfschmerzpatienten kommen häufig mit einer ganzen Palette an Symptomen zu mir. Dazu gehören:

  • ständige Anspannung
  • Stress, Burn-out und Erschöpfungserscheinungen
  • Verspannungen im Nacken und Kiefer
  • Magen-Darm-Problemen

Hier sieht man schon, dass wir uns in ganz unterschiedlichen Themenfeldern bewegen, die jedoch oft im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne stehen.

Oder wie ich es immer gerne formuliere: Eine Migräne kommt selten allein … 
Genau. Deshalb können wir auch nicht sagen: Bei Kopfschmerzen behandeln wir einfach den Kopf und dann wird das schon wieder. Stattdessen haben wir es eher mit einem Puzzle zu tun, das aus vielen verschieden Teilen besteht. Die einzelnen Puzzleteile stehen für die unterschiedlichen Bereiche unseres Körpers, aber auch unseres Geistes.

Entscheidend ist hier, dass ich mich als Heilpraktiker vor allem den Symptomen oder auch Triggern von Kopfschmerzen und Migräne annehmen kann. Im Fall von Migräne könnte das bedeuten, dass sich durch die begleitende Behandlung beispielsweise die Attackenhäufigkeit- und Intensität verringert. Das langfristige Ziel ist es dabei, die Selbstheilungskräfte des Patienten zu stärken

Die meisten Patienten fühlen sich ihrem Schicksal oft hilflos ausgeliefert. Ich helfe ihnen dabei, ihre eigenen Ressourcen zu entdecken und sie dadurch auch ein Stück weit auf dem Weg zu mehr Selbstverantwortung zu begleiten. 

Dysbalancen im Körper erkennen und ausgleichen

Du hattest ja oben schon ein paar relevante Themen bei Kopfschmerzen und Migräne angesprochen. Was kann man sich darunter nun genau vorstellen bzw. um welche Bereiche geht es ganz konkret?
Dazu gehören zunächst einmal ganz allgemein formuliert die individuellen Lebensgewohnheiten. Daneben gibt es aber natürlich noch eine ganze Menge Vorgänge in unserem Körper, die ebenfalls im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne stehen können, sofern eine Funktionsstörung vorliegt:

Individuelle Lebensgwohnheiten 

  • Schlafe ich ausreichend und gönne ich mir regelmäßig Pausen, z. B. auch in Form von Entspannungsübungen und Meditation?
  • Wie sind meine Ernährungsgewohnheiten?
  • Trinke ich täglich genug Wasser?
  • Welchen Einfluss hat Koffein? Auch Koffeinabhängigkeit kann mitunter Kopfschmerzen auslösen.
  • Mache ich regelmäßig Sport? Empfehlenswert ist eine Mischung aus moderatem Ausdauer- und Krafttraining.
  • Und zuletzt: Gehe ich mit mir und meinem Körper achtsam und liebevoll um?

Funktionsstörungen

  • Wie sieht die allgemeine Nährstoffversorgung aus? Wird der Körper mit ausreichend Mikronährstoffen versorgt?
  • Wie steht es um die Darmflora? Liegt eine Mitochondriale Fehlfunktion vor?
  • Besonderes wichtig bei Frauen: Welche Rolle spielen die Hormone bzw. welchen Einfluss nimmt die Pille?
  • Erhält das Gehirn genug Treibstoff oder liegt eine Glukoseunterversorgung vor?
  • Liegen chronische Entzündungen vor?

 

Diese Liste lässt sich natürlich noch erweitern. Damit deine Leser einen ersten Überblick bekommen, beschränke ich mich hier einfach mal auf die häufigsten Themenbereiche im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne.

Das ist ja tatsächlich eine ganze Menge. Wollen wir uns die wichtigsten Aspekte einfach mal etwas genauer ansehen?
Sehr gerne! Lass uns doch mit dem Thema Funktionsstörungen starten, da dieser Bereich ja auch zu meinem Behandlungsspektrum gehört und es sicherlich für deine Leser interessant ist, hier mal einen Einblick zu bekommen!

Energiehaushalt und Nährstoffe

Die Behandlung mit Mikronährstoffen

Ok, dann mal los! Welche Rolle spielt der Energiehaushalt bei Kopfschmerzen und Migräne und was hat das mit Mikronährstoffen zu tun?
Ein möglicher Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne kann ein Mangel an essentiellen Nährstoffen sein. Diese benötigt der Körper, damit das körpereigene Abwehrsystem, sprich unser Immunsystem, funktionieren kann. Es bildet sozusagen die Basis für die Selbstheilungskräfte des Körpers, der unter normalen Umständen Enormes leisten kann. Fehlt ihm aber die Basis, zeigt uns der Körper diesen Mangel durch Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen und andere chronische Erkrankungen.

Florian Helgerth – Heilpraktiker

„Ich vergleiche die Funktionsweise unseres Körpers immer gerne mit der eines Autos: Wenn ich will, dass das Auto gut und möglichst lange läuft, muss ich es mit ausreichend Benzin versorgen, regelmäßig Öl nachfüllen usw. ... Wenn ich zu wenig oder sogar das falsche Benzin tanke, ist über kurz oder lang ein Motorschaden die Folge.“

Wir müssen also erst einmal dafür sorgen, dass die Basis stimmt. Es müssen ausreichend Nährstoffe vorhanden sein, damit der Körper überhaupt eine Chance hat, wieder auf die Beine zukommen. Deshalb bin ich ein großer Verfechter der Orthomolekularen Medizin, also der sanften Behandlung mit MikronährstoffenMeinen Patienten empfehle ich zu Anfangs daher immer, eine Analyse des Nährstoffgehalts im Körper zu machen. So sehen wir, wo ein Mangel vorherrscht. Diesen gleichen wir dann durch die hochdosierte Gabe von Mikronährstoffen aus.

Blutzuckerschwankungen vermeiden

Daneben ist auch eine ausgewogene Ernährung essentiell. Wenig einfache bzw. leere Kohlenhydrate und raffinierter Zucker, dafür viel Bio-Obst und Bio-Gemüse. Generell sollten bei Kopfschmerzen und Migräne Blutzuckerschwankungen vermieden werden. Oft ist dazu eine Ernährungsumstellung notwenig.

Hier spielt auch wieder die Versorgung mit Mikronährstoffen mit rein. Eine Verbesserung rein über die Ernährung halte ich insofern für schwierig, da unsere Lebensmittel heutzutage nur noch einen Bruchteil der Nährstoffe enthalten, die unser Körper benötigt. Nährstoffe, die wir nicht über die Nahrung aufnehmen, müssen wir aus anderen Quellen, also Nahrungsergänzungsmitteln, beziehen.

Die Rolle der Mitochondrien

Darmflora, Mitochondrien und die Ernährung

Wo wir schon beim nächsten Thema wären: Was hat eine gesunde Darmflora mit Migräne zu tun und was hat es mit diesen Mitochondrien auf sich? 
Defekte in den Mitochondrien können zu erheblichen Beeinträchtigungen der körperlichen Gesundheit führen. Komplexe und chronische Krankheiten, die mit einer Dysfunktion der Mitochondrien einhergehen, nehmen stetig zu. Zu den Symptomen gehören beispielsweise:

  • chronische Müdigkeit und fehlende Energie
  • Schlafstörungen
  • kurze Essensintervalle, ständiger Hunger, Heißhunger
  • chronische Erkrankungen
  • Störungen des Magen-Darm-Trakts
  • Migräne
  • Depressionen
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. der Schilddrüse oder des Darms)

Der Konsum kalorienreicher Lebensmittel, ein moderner bewegungsarmer Lebensstil, Stress und Umwelteinflüsse begünstigen die Entstehung dieser Symptome zusätzlich.

Eine gesunde Darmflora ist das A und O

Eng damit verbunden ist auch unsere Darmflora. Nicht umsonst heißt es so schön: „Darm gesund, Mensch gesund“. Es ist daher wichtig, dass die Darmflora intakt ist, d. h. dass keine Entzündungen oder Besiedelungen mit Pilzen vorliegen. Ein Ungleichgewicht kann letztendlich den ganzen Körper aus der Bahn werfen und weitere Erkrankungen begünstigen, so auch die Schädigung unserer Mitochondrien.

Mithilfe von Laboruntersuchungen kann man testen, wie es um die Mitochondrien steht. Auf Basis dieser Analyse können wir ein individuelles Mikronährstoffprofil erstellen. Daneben könnte eine Darmsanierung oder eben eine antientzündliche Ernährung helfen. Wenn du es genauer wissen möchtest, findest du in meinem Beitrag Mitochondirale Fehlfunktion mehr Informationen dazu.

Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Oft heißt es ja auch, dass der Darm das zweite Gehirn des Menschen ist. Beide Bereiche sind offenbar eng miteinander verbunden. Spielt das bei Kopfschmerzen und Migräne auch eine Rolle?

Absolut! Mittlerweile weiß man, dass sich die Gesundheit der Darmflora auch auf das Gehirn auswirkt. Kommt es im Darm zu einer Dysbalance, hat dies auch Auswirkungen auf unser Gehirn. In der Psycho-Neuro-Immunologie spricht man auch von der „Gut-Brain-Achse“. Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn spielt also allgemein eine wichtige Rolle im Bezug auf unsere Gesundheit.

Der Neurotransmitter Serotonin

Damit wären wir beim Thema Serotonin angelangt. Serotonin ist ein Botenstoff, auch Neurotransmitter genannt, und wird gemeinhin auch als das „Glückshormon“ bezeichnet. Serotonin kommt vor allem in unserem Blut vor, aber auch im Darm oder im Herz-Kreislauf-System. Ein konstanter Serotoninspiegel sorgt dafür, dass wir innerlich zufrieden und ausgeglichen sind. Ist der Serotoninspiegel jedoch zu hoch oder zu niedrig, kommt es zu einem Ungleichgewicht in nahezu allen Bereichen unseres Körpers.

Starke Serotoninabfälle bzw. ein Mangel an Serotonin können zu Migräne führen. Deswegen haben viele Migränebetroffene vor einem Migräne-Anfall oft auch Heißungerattacken – meist auf Süßes. Der Körper versucht damit in einer Art Notfall-Reaktion diesen Mangel durch schnelle Energiezufuhr in Form von Zucker auszugleichen. Oftmals fehlt dem Körper jedoch die Aminosäure L-Tryptophan, die mithilfe weiterer Co-Faktoren wie Vitamin B6, Magnesium und anderen Mikronährstoffen zu 5-HTP und letztendlich zu Serotonin umgebaut wird.

Auch hier spielen wieder die Ernährung und eine gesunde Darmflora mit hinein. Den Serotoninspiegel allein über die Ernährung konstant zu halten ist jedoch meiner Meinung nach schwierig. Zwar gibt es L-Tryptophan-haltige Lebensmittel wie Bananen oder Schokolade. Für eine merkliche Beeinflussung des Serotoninspiegels muss der Körper den Botenstoff jedoch selbst herstellen. Die Konzentration in unseren Lebensmitteln reicht dafür bei Weitem nicht aus. Unser Körper ist also auch hier auf eine gezielte Zufuhr von Nährstoffen angewiesen, die die körpereigene Serotoninherstellung anregen.

Serotoninschwankungen bei Frauen

Bei Frauen, die an Migräne leiden, kommt natürlich auch der Zyklus mit ins Spiel. Es ist kein Zufall, dass viele Frauen oft kurz vor ihrer Periode an Migräne leiden. Dies hängt mit den Östrogenen, also den weiblichen Geschlechtshormonen, zusammen. Auch sie beeinflussen den Serotoninspiegel im Körper. Während der Östrogenspiegel in der ersten Zyklushälfte höher ist, senkt er sich in der zweiten Hälfte ab. Mit dem Absenken des Östrogenspiegels verändert sich auch der Serotoninspiegel. Die starke Schwankung des Serotoninspiegels kurz vor der Periode kann, zusammen mit weiteren Faktoren, ein Auslöser für eine Migräne sein.

Hormone, die Pille und Migräne

Ich sehe schon, wir kommen von einem Thema ins andere. Mit dem Einfluss der Pille auf den Körper beschäftigst du dich ja auch sehr intensiv. Welchen Einfluss hat die Pille denn ganz allgemein auf den Körper und welche Rolle spielt sie bei Kopfschmerzen und Migräne?
Allein über dieses Thema könnten wir stundenlang sprechen. Ich versuche jedoch, hier auf die wichtigsten Punkte einzugehen. Wer mehr dazu erfahren möchte, dem empfehle ich meinen ausführlichen Blogbeitrag Post-Pill-Syndrom.

Hormonelle Dysbalance: Progesteron und Östrogen

Dass Migräne viel mit dem Ungleichgewicht verschiedener Prozesse im Körper zu tun hat, haben wir bereits an anderen Beispielen gesehen. Der Hormonhaushalt ist da keine Ausnahme. Stark vereinfacht kann man sagen, dass durch die Einnahme der Pille mehr als 100 Stoffwechsel-Vorgänge im weiblichen Körper beeinflusst werden. Die völlige Unterdrückung der normalen hormonellen Abläufe sowie ein konstantes Eingreifen in den hormonellen Kreislauf kann langfristige Folgeschäden nach sich ziehen.

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass durch die Einnahme der Pille ein Ungleichgewicht zwischen dem Gestagen Progesteron und Östrogen entsteht, genauer gesagt: Es liegt ein Mangel an Progesteron gegenüber einer relativen Dominanz von Östrogen vor.

Progesteronmangel und erschöpfte Nebennieren

Die natürliche Produktion von Progesteron ist jedoch sehr wichtig. Wird sie unterdrückt, wie im Fall der Pille, können unter anderem Depressionen und Erschöpfungszustände begünstigt werden. Zwar können Frauen, anders als Männer, Progesteron auch in den Nebennieren bilden. Jedoch werden dadurch ihre natürlichen Reserven dauerhaft geplündert. Der Körper wiederum versucht diesen Raubbau mit einer Überproduktion an Cortisol auszugleichen.

Cortisol wird normalerweise ausgeschüttet, um unseren Körper in einer Gefahrensituation in Alarmbereitschaft zu versetzen. Die konstante Ausschüttung von Cortisol versetzt den Körper also in eine Art Dauerstress. Über kurz oder lang kann dies zu einer Nebennierenerschöpfung führen. Allein anhand dieser Beispiele sieht man schon, wie komplex das Thema Pille und Hormone ist.

Hormone und Migräne

Ich habe festgestellt, dass Patientinnen, die die Pille einnehmen, besonders häufig über Migräne klagen. Dies steht meiner Meinung nach im direkten Zusammenhang mit dem dauerhaften Mangel an Progesteron: Der Progesteronspiegel sollte kurz vor Einsetzen der Monatsblutung eigentlich steigen. Durch die Einnahme der Pille wird dieser Prozess jedoch dauerhaft unterdrückt. Durch eine zu niedrige Konzentration an Progesteron werden PMS-Symptome begünstigt, zu denen auch Kopfschmerzen und Migräne gehören.

Sollte ich die Pille absetzen?

Würdest du also weiblichen Patienten, die an Migräne leiden, raten, die Pille abzusetzen?
Das muss man tatsächlich immer individuell besprechen, denn auch das Absetzen der Pille bringt ein Ungleichgewicht mit sich. Deshalb rate ich immer dazu, das Absetzen der Pille mit einer ausgleichenden Behandlung einhergehen zu lassen.

Viele Frauen, die die Pille nach Jahren absetzen, entwickeln nämlich ein sog. Post-Pill-Syndrom, also eine hormonelle Dysbalance. Wenn über so lange Zeit hinweg in den natürlichen Hormonhaushalt eingegriffen wurde, kann es eine ganze Weile dauern, bis er sich wieder vollständig regeneriert und in der Lage ist, sich selbst zu regulieren.

Diese hormonelle Dysbalance kann man durch diverse Labortests nachweisen. Beim Absetzen der Pille kann man begleitend auf den Hormonhaushalt einwirken, indem man dem Progesteron-Mangel aktiv entgegen wirkt, z. B. mit Hormoncremes. Besser ist es aber natürlich immer, wenn der Körper es schafft, aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu kommen.

Meine persönlichen Learnings als Heilpraktiker

Nun haben wir über eine ganze Menge Themen gesprochen. Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Learnings im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne, die du als Heilpraktiker gemacht hast? 
Meine Patienten sind oft überrascht, wie eng verbunden das Thema Kopfschmerzen und Migräne mit anderen Bereichen des Körpers ist. Ich habe über die Jahre gelernt, dass es sehr viele unterschiedliche Themen sind, die man sich anschauen sollte. Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, was sich dadurch verändert.

Geduld und Vertrauen in den eigenen Körper haben

Ich versuche grundsätzlich, meinen Patienten ein realistisches Bild im Bezug auf den Heilungsprozess zu vermitteln. Da ich oft die letzte Instanz bin, die zu Rate gezogen wird, muss ich meinen Patienten oft etwas die Ungeduld nehmen und unrealistischen Erwartungen entgegen wirken. Unser Körper arbeitet zwar hochfunktional und effizient, aber er ist keine Maschine. Gerade, wenn wir seine Bedürfnisse lange Zeit ignoriert haben, brauchen wir uns nicht wundern, wenn er umso mehr Zeit benötigt, um mit Veränderungen umzugehen. Der Heilungsprozess braucht in der Summe also vor allem Geduld und auch etwas Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte.

Eigenverantwortung übernehmen

Da schwingt für mich auch das Stichwort „Eigenverantwortung“ ganz deutlich mit. Was können Betroffene also selbst unterstützend tun?
Da hast du vollkommen recht. Vieles, was wir angesprochen haben, hat mit der Umstellung der eigenen Gewohnheiten zu tun. Unser moderner Lifestyle ist oft nur schwer vereinbar mit den Grundbedürfnissen unseres Körpers. Dazu gehören eine individuelle und ausgewogene Ernährung, ausreichend Wasserzufuhr, genügend Schlaf und Bewegung. Wer sich jedoch nicht ändern will, wird es schwer haben. Denn eine Veränderung des Lebensstils beginnt im Kopf. Hier muss sozusagen erst einmal der Schalter umgelegt werden, dass Handlungsbedarf besteht. Ohne Eigeninitiative kommt man hier also nicht weiter.

Die eigene Vorstellungskraft nutzen

Viele Patienten haben oft schon einen so langen Leidensweg hinter sich, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen können, was es bedeutet, frei von Beschwerden zu sein. Dabei spielt die visuelle Vorstellungskraft eine entscheidende Rolle auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Man muss sich lebhaft vorstellen können, dass es auch anders geht.

Dazu gehört auch die Bereitschaft, sein „altes Ich“ loszulassen. Oft ist die Krankheit schon so zur Gewohnheit geworden, dass sich die Patienten stark mit ihr identifizieren. Durch sie bekommen Aufmerksamkeit und Liebe, das gibt ihnen ein Gefühl Stabilität und Sicherheit. Eigentlich paradox, wenn man drüber nachdenkt. Diese „Krankheitsanhaftung“ findet jedoch natürlich oft unbewusst statt.

Achtsamkeit und Bewusstsein

Um das zu ändern, musst du dir im ersten Schritt also wieder deiner selbst bewusst werden. Du bist nicht deine Krankheit. Achtsamkeit und Selbstliebe sind hier zwei wichtige Stichworte. Wenn ich meinem Körper die Aufmerksamkeit entgegenbringe, die er braucht, muss er nicht auf die Krankheit zurückgreifen, um sie zu erzwingen.

Wie oft warst du schon in der Situation, dass du trotz Migräne und Kopfschmerzen einfach weiter gemacht ist (egal ob auf der Arbeit oder in der Freizeit). Und das, obwohl dein Körper dir vorher etliche Warnsignale geschickt hat, dass er eine Pause benötigt? Die Migräne ist oft das letzte Mittel deines Körpers, die Bremse zu ziehen. Gehe also achtsam und liebevoll mit dir selbst um, dein Körper wird es dir danken!

Das Gesetz der Resonanz

Es ist in diesem Zusammenhang auch immer unglaublich wichtig, worauf wir grundsätzlich unseren Fokus richten. Wenn ich meinen Fokus permanent auf meine Krankheit lege, schicke ich letztendlich auch meine Energie genau dahin. Warum aber sollte ich meine Krankheit noch zusätzlich mit Energie füttern, wenn ich sie doch viel besser auf den Heilungsprozess richten könnte?

Dahinter steckt das Gesetz der Resonanz, das besagt, dass die Energie stets dahin fließt, worauf du deinen Fokus legst. Das Ziel sollte also sein, dass du deine Gedanken auf das richtest, was du sein willst und wo du hin willst.

Das erfordert natürlich etwas Übung. Durch Meditieren und Achtsamkeitsübungen kannst du dir nach und nach ein positives Mindset zulegen. Im Fall von Kopfschmerzen und Migräne lautet dein Ziel also: „Ich habe einen freien und klaren Kopf. Ich bin frei und klar.“ Du musst es so fühlen und leben, als wäre es bereits so. Das ist sehr wichtig. Alles andere wäre nur der Wunsch nach Veränderung und gleichzeitig die Bestätigung, dass dieser Zustand noch nicht erreicht ist.

Durch aktives Mentaltraining kannst du allmählich neue neuronale Verknüpfungen im Gehirn schaffen. Es ist wichtig, dass unser Gehirn neue (positive) Erfahrungen macht. D. h., wer Veränderung will, muss die alten Gedankenmuster, die sich über Jahre festgesetzt haben, in neue Bahnen lenken.

Sauerstoffmangel vermeiden

Das bringt mich tatsächlich zu meinem letzten Punkt, nämlich welche Rolle das „richtige Atmen“ spielt. Unser Gehirn kann nur richtig arbeiten, wenn es mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Zu wenig Bewegung an der frischen Luft und Stress führen häufig dazu, dass wir eine Fehlatmung entwickeln: Wir amten zu flach und sind unter Daueranspannung. Das Gehirn bekommt folglich nicht genügend Sauerstoff

Du solltest also auch hier regelmäßig für Ausgleich sorgen. Das erreichst du durch Aktivitäten, bei denen die Atmung im Vordergrund steht: Spazierengehen, Walken oder Joggen an der frischen Luft, Yoga oder auch Gesang.

Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe

Ich kann gar nicht fassen, wie viele unterschiedliche Faktoren bei Kopfschmerzen und Migräne eine Rolle spielen! Wahnsinn! Welches Fazit lässt sich denn daraus für die Rolle des Heilpraktikers und der alternativen Medizin ableiten?
Ganz klar kann ich sagen: Es gibt nicht nur eine Therapie oder ein Medikament bei Kopfschmerzen und Migräne. Du hast gesehen, dass es eine ganze Menge Themen gibt, die wir uns gemeinsam anschauen und die wir zusammen angehen können.

Florian Helgerth – Heilpraktiker

Oft ist es wie beim Entrümpeln einer Kommode: Man macht diverse Schubladen auf und findet immer etwas Neues, das vielleicht vorher noch gar niemand bedacht oder entdeckt hat. Ärzte haben durch das ganze System der Schulmedizin oft gar nicht die Möglichkeit, sich all diesen Themen anzunehmen. Als Heilpraktiker gehört es für mich dazu, genau da anzusetzen und zu prüfen, an welchen Schrauben wir drehen oder welche Schubladen wir uns noch vornehmen können.

Wichtig für mich ist dabei jedoch immer, dass ich keine Abhängigkeiten schaffe. Ich möchte im Gegenteil meine Patienten an die Hand nehmen und zur Selbsthilfe sensibilisieren.

Das kann ich nur bestätigen. Ich habe das Gefühl, dass ich durch die Behandlung bei dir so vieles über mich selbst und meinen Körper gelernt habe. Ich fühle mich dadurch zuversichtlich und bestärkt darin, meine individuellen Themen anzupacken. Vielen Dank für dieses interessante und aufschlussreiche Interview, lieber Florian!
Danke liebe Alex für das angenehmen und kurzweilige Interview mit dir. Von Herzen weiterhin alle Gute für dich und  deine Leser!

Du willst mehr über Florian Helgerth erfahren? Dann schau doch hier mal vorbei:

Logo Naturheilpraxis Florian Helgerth

Naturheilpraxis Florian Helgerth
Herzogspitalstraße 4
80331 München
Telefon: 089 856 367 08
E-Mail: info@praxis-helgerth.de
Website: www.praxis-helgerth.de

Hat dir dieses Interview gefallen? Konntest du für dich neue und nützliche Erkenntnisse im Bezug auf den Umgang mit Kopfschmerzen und Migräne ziehen? Mir hat diese Erfahrung für viele Themen die Augen geöffnet und dabei geholfen, meine Kopfschmerzen in einen größeren Kontext einzuordnen. Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.